Nein zur Volksinitiative «Lehrplan vors Volk»

Der Bildungsrat ist im Kanton Zürich für den Lehrplan zuständig. Die Volksinitiative «Lehrplan vors Volk» will den Lehrplan dem Kantonsrat zur Genehmigung vorlegen und den Lehrplan auch referendumsfähig machen. Die SP sieht aber keine Notwendigkeit, an der geltenden und bewährten Kompetenzordnung etwas zu ändern, und empfiehlt deshalb die Volksinitiative «Lehrplan vors Volk» zur Ablehnung.

Die Initiative gibt vor, dem Lehrplan die notwendige demokratische Legitimität zu geben, welche angeblich heute fehle. Zur Zeit ist der Bildungsrat im Kanton Zürich dafür zuständig, den Lehrplan zu erlassen. Für die Erarbeitung des Lehrplans setzt der Bildungsrat ein breites Gremium von Fachleuten ein, unter anderem auch Lehrpersonen. Der Entwurf des Lehrplans wird schliesslich mindestens einer Vernehmlassung unterzogen, beim Lehrplan 21 waren es sogar zwei Vernehmlassungsrunden.

Schon heute demokratisch legimitiert

Dem Bildungsrat per Gesetz, welches demokratisch legitimiert ist,  wurde also die Kompetenz  für den Lehrplan 21 eingeräumt. Der Bildungsrat ist für die SP ein demokratisch gewähltes und legitimiertes Organ. Denn das Volk wählt den Kantonsrat, welcher den Bildungsrat wählt. Die Vorgabe für den Kantonsrat ist, den Bildungsrat fachlich und gesellschaftlich breit zusammenzusetzen, was die SP als gegeben betrachtet.

Gegen den Lehrplan 21?

Die Initiative ist ein  Mittel der Gegner des Lehrplans 21, diesen doch noch im Kanton Zürich zu verhindern. Denn dank der rückwirkenden Gesetzesbestimmung im Initiativtext  würde der Lehrplan 21 nachträglich der Genehmigungspflicht durch den Kantonsrat und allenfalls einem Referendum unterliegen. Bis zu einem abschliessenden Volksentscheid wäre der Lehrplan 21 aber bereits längstens in den Schulen angekommen und im Unterrichtsalltag umgesetzt. Und eine mögliche Rückführung zum alten, also heutigen, Lehrplan oder die Erarbeitung eines neuen Lehrplans würde wiederum Jahre in Anspruch nehmen. Kurz: Der Lehrplan 21 kommt – die Volksinitiative ändert daran nichts.

 

Für eine zukunftsfähige Schule

Die Initiative möchte neue Unterrichtsreformen wie z.B. das selbstorganisierte Lernen verhindern. Aber weder der heutige Lehrplan noch der Lehrplan 21 schreiben dem Lehrer eine bestimmte Methode bei den Unterrichtsformen vor! Im Gegenteil: die Methodenfreiheit ist auch im Gesetz festgehalten. Im Unterricht entscheiden die Lehrpersonen alleine, ob und wann sie zum Beispiel Frontalunterricht machen oder eben das vom Initiativkomitee kritisierte selbstorganisierte Lernen einsetzen. Die Kritik der Initianten zielt insofern nicht auf den Lehrplan, sondern auf das heutige Schulwesen generell, das im Übrigen noch nach dem aktuellen Lehrplan funktioniert. Es geht wohl eher um missliebige gesellschaftliche Entwicklungen, um die zunehmende Komplexität der Ansprüche und Vorstellungen, mit denen die Volksschule konfrontiert ist. Doch die Schule kann sich nicht als Insel der Glückseligkeit diesen zunehmenden Herausforderungen verweigern. Sie steht mittendrin in der Gesellschaft: mit all den Chancen, Problemen und Herausforderungen. In diesem Sinne ist es richtig und sinnvoll, dass der Lehrplan 21 deshalb gerade auf der Ebene der überfachlichen Kompetenzen auf eine zunehmende Selbstverantwortung der Schülerinnen und Schüler abzielt und damit die Jugendlichen zu einem eigenverantwortlichen Leben befähigt.